Ja, aber …

Eine wunderbare Methode, um uns in konstruktiver Kommunikation zu üben und den Unterschied zwischen Verstehen, Verständnis und Einverständnis zu begreifen.
2 bis 100+ Teilnehmende
16 bis 18+ Jahre
Indoor und Outdoor
20 bis 60 Minuten

Beschreibung

Erste Runde: Ja, aber …
Die Teilnehmenden gehen paarweise zusammen. Eine Person (Person A) beginnt, indem sie eine möglichst extreme und provozierende Aussage macht. Beispielsweise:
  • Ich finde, Frauen gehören in die Küche.
  • Alle Menschen, die Milchprodukte zu sich nehmen, sind Mörder.
  • Aus meiner Sicht sollten wir die Schulpflicht abschaffen.
  • Wer an Gott glaubt, ist ein Spinner.
Die andere Person (Person B) hat nun die Aufgabe, mit „Ja, aber …“ zu antworten und Gründe zu finden, die gegen die Aussage des Gegenübers sprechen, unabhängig davon, welche Meinung sie selbst vertritt. Person A kann im Anschluss entweder dagegen argumentieren oder eine neue Aussage zu einem anderen Thema machen. Hierbei ist die Stimmung tendenziell: kämpfen, gegeneinander, recht haben wollen.
 
Beispiel:
Person A: Ich finde, Frauen gehören in die Küche.
Person B: Ja, aber in welchem Jahrhundert lebst Du denn?
Person A: Nur weil die Gesellschaft Frauen die Möglichkeit gibt, zu arbeiten, heißt es noch lange nicht, dass es gut für sie ist.
Person B: Ja, aber mit Deiner Aussage bist Du sowas von sexistisch.
Person A: Alle Menschen, die Milchprodukte zu sich nehmen, sind Mörder.
Person B: Ja, aber ich brauche Milchprodukte, um mich gesund zu ernähren.
Person A: Das ist einfach eine Lüge.
Usw.
 
Nach etwa 3 Minuten ist Wechsel. Nun macht Person B extreme und provozierende Aussagen und Person A antwortet immer mit „Ja, aber …“ und findet Gründe, die gegen die Aussage sprechen, unabhängig davon, wie sie selbst zu dem Thema steht.
Nach 3 Minuten kann eine kurze Zwischenreflexion zusammen mit der ganzen Gruppe im Kreis durchgeführt werden: Wie war es für Dich, eine Aussage zu machen und immer ein „Ja, aber …“ zurückzubekommen? Wie war es für Dich, immer mit „Ja, aber …“ zu antworten?
 
Zweite Runde: Und gleichzeitig …
In der zweiten Runde wird das Prinzip der ersten Runde wiederholt. Jedoch antworten die Teilnehmenden nicht mit „Ja, aber …“, sondern mit „Und gleichzeitig …“. Hierbei ändert sich die Stimmung bereits ein wenig. Statt immer gegen die Aussage „zu kämpfen“ blicken die Paare gewissermaßen in dieselbe Richtung und ergänzen die Aussage mit weiteren möglichen Sichtweisen, die bei diesem Thema berücksichtigt werden können.
Beispiel:
Person A: Ich finde, wir sollten noch viel mehr Impfpflichten einführen.
Person B: Und gleichzeitig halte ich die Freiheit des Individuums für sehr wichtig.
Person A: Die Freiheit des Einzelnen hört dort auf, wo andere Menschen sterben, weil Du nicht geimpft bist.
Person B: Und gleichzeitig sterben auch Menschen, weil sie sich geimpft haben, durch die Impfschäden.
Person A: Wenn wir mal eine Statistik anschauen …
 
Kurze Reflexion: Wie war die zweite Runde für Dich? Was hast Du erlebt?
 
Dritte Runde: Verstehen, Verständnis, Einverständnis
In der dritten Runde verbinden die Teilnehmenden das in der zweiten Runde gelernte „Und gleichzeitig …“ mit den drei Unterscheidungen von Schulz von Thun. Hierbei wird die eigene Sichtweise erst dann gesagt, wenn Verstehen und Verständnis ausgedrückt wurde.
 
  1. Verstehen – „Du möchtest …“ / „Du denkst …“ / „Für Dich …“ / „Aus Deiner Sicht …“ (die Aussage in eigenen Worten wiedergeben)
  2. Verständnis – „Ich kann nachvollziehen, dass Dir das wichtig ist, weil...“ (den Wert oder das Bedürfnis dahinter benennen – ohne zustimmen zu müssen)
  3. Einverständnis – „Und gleichzeitig...“ (erst jetzt die eigene Position)
Bevor die dritte Runde eröffnet wird, ist es wichtig, dass alle die drei Schritte wirklich verstanden haben. Daher empfiehlt es sich, ein Beispiel vorzustellen. „Gibt es jemanden, der mit mir zusammen die dritte Runde vormachen könnte?“
Beispiel:
Freiwillige Person: „Windräder zerstören die Natur, sie sollten verboten werden“
Gruppenleitung – Verstehen: „Du meinst, durch die Windräder sterben viele Insekten und Vögel und die natürlichen Luftströme werden verändert?“
Freiwillige Person: „Ja genau, und zusätzlich zerstören sie noch die schöne Landschaft“
Gruppenleitung – Verständnis: „Ich kann gut nachvollziehen, dass Du Windräder verbieten möchtest, weil Dir der Erhalt der Natur und Tiere sowie die Schönheit der Landschaft sehr am Herzen liegt.“
Gruppenleitung – Einverständnis: „Und gleichzeitig verbrauchen wir als Gesellschaft ziemlich viel Strom und irgendwo muss der Strom ja herkommen. Da finde ich Windräder schon mal viel besser als Kohle- oder Atomkraftwerke.“
 
Reflexion: Wie war für Euch die dritte Runde?
 
Gruppenleitung: „Die Unterscheidung von Verstehen, Verständnis und Einverständnis hält Schulz von Thun für essenziell. Manche Menschen denken, wenn wir andere Menschen verstehen und Verständnis für sie haben, wir ihnen automatisch auch zustimmen. Jedoch können wir einen Menschen verstehen, ohne Verständnis zu haben. Und wir können Verständnis haben, ohne einverstanden zu sein. In der konstruktiven Kommunikation versuchen wir erst unser Gegenüber zu verstehen und geben unser Bestes, Verständnis zu haben. Erst danach sagen wir, wie wir dazu stehen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit enorm, dass ein Gespräch für alle eine Bereicherung ist und alle etwas dabei lernen. Wenn wir immer nur dagegen argumentieren, ohne unser Gegenüber zu verstehen oder Verständnis zu äußern, kann schnell Spannung, Streit und Gewalt entstehen.“


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